Die Ruhe vor dem Sturm
Der Winter hatte schon zu lange seinen weißen Mantel über die sanften Hügel Ontarios gebreitet. Die Hoffnung auf wärmere Tage wurde von der beissenden Kälte verschlungen. Schwer lag der Schnee nicht nur auf den Ästen, sondern auch in den Herzen. So war es nicht verwunderlich, dass die warnenden Worte des Wettersprechers zu dieser Zeit des Jahres für wenig Verwunderung sorgten. Es hieß, ein Sturm würde kommen und noch mehr Schnee bringen. Ich war an diesem Tag vormittags von der Stallarbeit freigestellt worden und wollte die Zeit nutzen. Die Warnungen vor dem Sturm waren mir im Hinterkopf gewesen, doch wollte ich eine Wanderung wagen. Die Morgenluft war kalt aber kein Wind regte sich. Ich packte meine Tasche mit Proviant sowie mein Handy für Notfälle und machte mich auf dem Weg. Die Wege waren schwer gangbar doch trugen mich meine Beine immer weiter. Ich schritt an Siedlungen aus Hütten vorbei, doch sah ich keinen Menschen. Wahrscheinlich blickten ihre Augen misstrauisch durch die vielen Fenster auf mich als wäre ich Gevatter Tod. Ein Fremder der durch die Gegend zieht. Ich würde mir selbst nicht trauen, würde ich mich nicht kennen. Unter dem Grau des Himmels trug es mich durch die Landschaft bis zu jener Siedlung, die Saint-Marie among the Hurons genannt wird. Ein hölzernes Dorf mit hölzernen Wällen saß am Ufer eines Flusses, der blutige Geschichten zu erzählen hatte. Ich hätte ihm lauschen können und er hätte mir vermutlich mehr erzählt als jener Reiseführer, den ich gelesen hatte. Die Wolken hingen schwer und das Licht spielte mit meiner Phantasie. Ich musste weiter.
Immer weiter drang ich vor in ein Städtchen namens Midland. Der transkanadische Wanderweg unter meinen Füßen war bei Gott nicht geeignet für meine Füße, doch hatte ich keine Wahl als einen Schritt nach dem anderen auf den Asphalt zu tun. Rechts von mir ragten Häuser in die Höhe, von denen eines dem anderen glich. Linkerhand erstreckte sich eine riesige Wasserfläche, die unter dem Eis ihren Winterschlaf hielt. Kein Mensch hatte es gewagt an jenem Tag auf die Straße zu treten. Die Promenade vor den Strandhäuser war menschenleer. Nur der Wind versicherte mir, dass sich die Welt noch bewegte. Nach Stunden des Wanderns war ich angekommen. Der Hafen des Städtchens war ungewohnt belebt. Touristen sahen sich das eisige Schauspiel an und ich setzte mich auf eine Bank. Zufrieden verspeiste ich meinen Proviant bevor ich den Rückweg antrat. Ich war von Unrast getrieben und ging schnellen Schrittes. Meine Füße schienen nur noch aus Gewohnheit das Ihre zu leisten. Die Wolken verdichteten sich und ein mürrischer Wind zog auf. Die Schilder und Fensterläden der Hütten und Häuser krächzten mit schrillem Ton. Ermüdet trugen mich meine Beine in die Sicherheit wo mich eine Suppe wärmte.
Nur wenige Stunden später begann das Schauspiel. Der Wind bog die stolzen Bäume und pfiff sein schauriges Lied. Er brachte Schnee mit sich, der den Blick in die Ferne erschwerte. Auch das Stromnetz hatte die weiße Wand verwirrt und zum Stillstand gebracht. Des Nächtens nahm der Sturm neue Formen an und wandelte sich in iced rain um. Dick Tropfen vielen herab und erstarrten sofort zu glänzendem Eis. So kam es, dass mein Blick am kommenden Morgen auf eine Landschaft wie aus Glas fiel. Äste hatten schwer unter dem Eis zu tragen und der Boden entglitt unter meinen Füßen. Der typische Österreicher hätte sich schon längst in der Opferrolle gesehen und begonnen über sein bitteres Los zu klagen. Die Kanadier nahmen es jedoch mit gewitztem Humor. Die Nachrichten hatten von umgestürzten Bäumen und Strommasten berichtet, doch selbst hier vernahm man schmunzelnde Kommentare. Kanada scheint wohl auch unter den schwersten Wolken heiter zu lachen.
Immer weiter drang ich vor in ein Städtchen namens Midland. Der transkanadische Wanderweg unter meinen Füßen war bei Gott nicht geeignet für meine Füße, doch hatte ich keine Wahl als einen Schritt nach dem anderen auf den Asphalt zu tun. Rechts von mir ragten Häuser in die Höhe, von denen eines dem anderen glich. Linkerhand erstreckte sich eine riesige Wasserfläche, die unter dem Eis ihren Winterschlaf hielt. Kein Mensch hatte es gewagt an jenem Tag auf die Straße zu treten. Die Promenade vor den Strandhäuser war menschenleer. Nur der Wind versicherte mir, dass sich die Welt noch bewegte. Nach Stunden des Wanderns war ich angekommen. Der Hafen des Städtchens war ungewohnt belebt. Touristen sahen sich das eisige Schauspiel an und ich setzte mich auf eine Bank. Zufrieden verspeiste ich meinen Proviant bevor ich den Rückweg antrat. Ich war von Unrast getrieben und ging schnellen Schrittes. Meine Füße schienen nur noch aus Gewohnheit das Ihre zu leisten. Die Wolken verdichteten sich und ein mürrischer Wind zog auf. Die Schilder und Fensterläden der Hütten und Häuser krächzten mit schrillem Ton. Ermüdet trugen mich meine Beine in die Sicherheit wo mich eine Suppe wärmte.
Nur wenige Stunden später begann das Schauspiel. Der Wind bog die stolzen Bäume und pfiff sein schauriges Lied. Er brachte Schnee mit sich, der den Blick in die Ferne erschwerte. Auch das Stromnetz hatte die weiße Wand verwirrt und zum Stillstand gebracht. Des Nächtens nahm der Sturm neue Formen an und wandelte sich in iced rain um. Dick Tropfen vielen herab und erstarrten sofort zu glänzendem Eis. So kam es, dass mein Blick am kommenden Morgen auf eine Landschaft wie aus Glas fiel. Äste hatten schwer unter dem Eis zu tragen und der Boden entglitt unter meinen Füßen. Der typische Österreicher hätte sich schon längst in der Opferrolle gesehen und begonnen über sein bitteres Los zu klagen. Die Kanadier nahmen es jedoch mit gewitztem Humor. Die Nachrichten hatten von umgestürzten Bäumen und Strommasten berichtet, doch selbst hier vernahm man schmunzelnde Kommentare. Kanada scheint wohl auch unter den schwersten Wolken heiter zu lachen.
Kfea - 12. Apr, 10:32
